Crowdinvesting und P2P-Kredite im Vergleich

CrowdinvestingInteressiert man sich für die Geldanlage in Form von Crowdfunding über P2P-Kreditmarktplätze, so liegt der Gedanke nahe, neben der gewöhnlichen Kreditvergabe an Privatpersonen auch in Unternehmen zu investieren um eine stille Beteiligung an diesen zu erhalten, also Crowdinvesting als Anlageform zu nutzen. Doch wie funktioniert Crowdinvesting und wo liegen die Unterschiede zum Crowdfunding?

Crowdinvesting: die Finanzierung

Sowohl auf Crowdfunding- als auch auf Crowdinvesting-Plattformen können sich interessierte Anleger über Projekte informieren, die Konditionen einsehen und in vielversprechende Konzepte investieren. Der Start der Projekte erfolgt meist nach einer Prüfung durch die Plattform, welche Kreditinteressierte nach bestimmten Kriterien beurteilt. Bei beiden Formen der Geldanlage wird weitestgehend auf die Bank als Mittelsmann verzichtet.
Die Art der Finanzierung unterscheidet sich allerdings erheblich: während beim Crowdfunding ein Kredit vergeben wird, welcher eine definierte Laufzeit sowie definierte Zinsen und eine kalkulierbares Risiko vorzuweisen hat, werden beim Crowdinvesting Anteile am Unternehmen bzw. dessen Erfolg gekauft; die Ausschüttung einer Rendite erfolgt also, sobald das finanzierte Startup sich rentiert.

Das Risiko eines Crowdinvestments

Das Risiko bei einem Investment in ein Unternehmen oder Startup ist für Anleger sehr schwer einschätzbar. Die meisten Crowdinvesting Plattformen bieten keinerlei Sicherheiten für Investoren. Häufig dient die vom Gründer bereitgestellte Projektbeschreibung als einzige Entscheidungshilfe; SCHUFA Score oder andere Bonitätsinformationen fehlen. Auf allein dieser Basis ist es für die Crowd schwierig, das Risiko eines Projekts richtig zu beurteilen und Erfolgschancen eines Unternehmens einzuschätzen. Selbst wenn ein Businessplan vielversprechend wirkt, ist eine Prognose über die Entwicklung eines Unternehmens für unerfahrene Anleger kaum möglich.
Die Mindestanlagebeträge sind auf Plattformen für Crowdinvesting meist deutlich höher als auf Crowdfunding Plattformen. Während man bei P2P-Kreditmarktplätzen wie auxmoney und Lendico bereits mit 25€ in Projekte investieren kann, verlangen Crowdinvesting Plattformen wie Seedmatch das Zehnfache. Dies erschwert die Diversifikation, also die Streuung der Geldanlage um das Risiko zu minimieren. So kann erst bei sehr viel höheren Anlagebeträgen eine ausreichende Risikodiversifikation erfolgen.

Gewinnausschüttung & Rendite

Die angebotene Beteiligung ist meist relativ schwierig zu verstehen und wirkt teilweise nicht transparent. Da es sich in der Regel lediglich um eine sogenannte „stille Beteiligung“ handelt und man keine wirklichen Unternehmensanteile kauft, ist man vom Erfolg des Startups abhängig ohne selbständig daran mitzuwirken. Wie auch beim Crowdfunding erfolgt die Finanzierung auf einer reinen Vertrauensbasis. Der Unterschied ist jedoch, dass die Rendite eines P2P-Kredits festgelegt und transparent ist, bevor man sich für eine Anlage entscheidet. Finanziert ein Anleger jedoch via Crowdinvesting, ist der Ertrag des Investments ebenso wie das Risiko nicht abschätzbar. So könnte das Unternehmen scheitern, was zum Verlust der Geldanlage führen würde, oder das Investment sich vervierfachen – theoretisch ist der Gewinn nicht gedeckelt, aber auch kaum gesichert.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Dauer der Kapitalbindung: diese ist bei der Vergabe eines P2P-Kredits meist sehr viel kürzer als bei Crowdinvestments. Zwar können auch P2P-Kredite einige Jahre dauern, allerdings erhalten Anleger eine monatliche Rückzahlung plus Rendite Ihres Investments. Die Rückzahlung der eigentlichen Anlage erfolgt dagegen beim Crowdinvesting meist erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit von meist fünf oder mehr Jahren. Gewinne werden entweder ebenfalls nach Vertragsende oder in Form von jährlichen Bonuszinsen ausgeschüttet.

Für wen eignet sich Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist eine interessante Anlagemöglichkeit für Investoren, welche kein Risiko scheuen und sich möglichst hohe Gewinne erhoffen. Auch für Unternehmen ist diese Art der Anlage interessant, da auf P2P-Kreditmarktplätzen nur Privatpersonen anlegen dürfen.
Wer durch Crowdinvesting in ein Startup oder eine Unternehmenserweiterung investiert, muss sich zuvor mithilfe eines auf der Plattform bereitgestellten Businessplans gründlich informieren um Erfolgschancen des Startups abschätzen zu können; es eignet sich also nicht für Anleger, welche ohne viel Zeitaufwand ihr Geld für sich arbeiten lassen wollen. Auch sollte jedem Anleger die lange Kapitalbindung bewusst sein, sowie der nicht festgelegte Ertrag. Wird keine ausreichende Risikodiversifikation betrieben, ist außerdem ein Totalverlust möglich.
Jeder Anleger sollte sich die Unterschiede von Crowdinvesting und P2P-Kredit vergegenwärtigen, bevor er sich für die eine oder die andere Anlageform entscheidet.